Einhergend mit dem wachsenden Erfolg des Influencer Marketings und den daraus resultierenden steigenden Nutzerzahlen wächst auch die Zahl derjenigen, die davon enttäuscht sind. Vilfredo Pareto zufolge werden es wohl immer rund 20% aller Protagonisten sein. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um Influencer auf der einen, oder Marketer auf der anderen Seite handelt.

Bezogen auf den Bereich der Micro-Influencer dürfte die Quote der Frustrierten sogar noch höher liegen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es in diesem Segment die geringste Praxiserfahrung gibt und es somit an best cases mangelt.

Die aus Sicht der Marketer drei häufigsten Missverständnisse im Micro-Influencer-Marketing möchte ich mit diesem Beitrag ausräumen.

1. Die Kampagne war ein Flop: wir haben kaum Umsatz gemacht.

Influencer Marketing unterscheidet sich in mehreren Punkten grundsätzlich von anderen Werbemaßnahmen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Tatsache, dass unmittelbares Umsatzwachstum nicht als primäres Ziel und Bewertungsgrundlage für eine Kampagne definiert werden sollte. Stattdessen soll Influencer Marketing als Teil einer Content Marketing Strategie in erster Linie den Bekanntheitsgrad von Marken, Produkten oder Unternehmen steigern.

Mit Influencer Marketing kannst Du Deine Zielgruppe abseits von den klassischen Werbemaßnahmen auf einer emotionalen Ebene ansprechen und für Dein Produkt oder Dein Unternehmen begeistern. Als einer von vielen Touchpoints innerhalb der Customer Journey soll Influencer Marketing eine positive Veränderung der Wahrnehmung unterstützen und auf diese Weise mittel- und langfristig zur Umsatzsteigerung beitragen.

Influencer Marketing ist mehr als eine auf KPI gestützte Werbemaßnahme. Es ist ein Dialog von Mensch zu Mensch mit mittel- und langfristigen Auswirkungen.

2. Die Qualität der Beiträge genügt nicht unseren Anforderungen.

Ein zweiter wesentlicher Unterschied vom Influencer Marketing zu anderen Werbemaßnahmen ist die Tatsache, dass nicht die Marke oder das Unternehmen der Absender einer Botschaft ist, sondern ein Dritter: der Influencer. Und genau diesem Influencer obliegt die alleinige Erstellung der Inhalte, sowie die Verbreitung über sein Netzwerk. Aus diesem Grund zählt die Bereitschaft, erlernte Marketingprozesse zu verlassen und einen Kontrollverlust zu akzeptieren zu den wichtigen Grundlagen im Influencer Marketing.

Die Influencer verbreiten Inhalte in ihrer eigenen Sprache und in einem Stil, den die Fans und Follower kennen und schätzen. Erst dadurch entsteht die viel zitierte Authentizität und eine besonders hohe Glaubwürdigkeit.

Wer im Influencer Marketing die Kontrolle übernehmen, oder sogar die Inhalte vorgeben will, wird scheitern.

3. Für Micro-Influencer reicht ein Taschengeld als Honorar.

Richtig ist, dass Micro-Influencer im Gegensatz zu den bekannten Stars über viel geringere Reichweiten verfügen. Damit einhergehend ist ebenfalls richtig, dass Micro-Influencern keine fünf- oder gar sechsstellige Honorare zu überweisen sind. Falsch hingegen ist die Annahme, dass Micro-Influencer mit einem Taschengeld vergütet werden können.

Auch die Arbeit der Micro-Influencer dauert viele Stunden, und sie wird mit besonders viel Leidenschaft und Liebe zum Detail verrichtet. Honoriere diese Leistung angemessen, denn Qualität hat einen Preis. Der bewegt sich für Micro-Influencer derzeit in einem dreistelligen Bereich. Standard-Tabellen für eine angemessene Vergütung wird es niemals geben. Kalkuliere daher immer mit Deinem gesundem Menschenverstand; und schau Dir als Beispiel  einmal meine Analyse von über 100 durchgeführten Kampagnen an.

Bedenke bei der Kalkulation von Honoraren immer, dass Micro-Influencer nicht von ihren Veröffentlichungen leben müssen. Das bedeutet, sie sind auf zahlende Kundschaft bzw. uninteressante Kooperationsangebote nicht angewiesen!

Honorare sollten nicht auf Basis nackter Reichweiten kalkuliert werden, sondern Engagement-Raten und Relevanz für die Zielgruppe berücksichtigen. Auch die Arbeit von Micro-Influencern ist wertvoll.


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